Conversational Framework for Learning Design

Diana Laudrillard, UCL, entwickelte das Conversational Framework für Learning Design. Es umfasst die sechs Learning Types Acquisition, Inquiry, Discussion, Practice, Collaboration und Production. Learning Types hat dabei nichts mit der Idee der Lerntypen zu tun. Verschiedene am Lernprozess Beteiligte kommen in diesem Framework zum Zuge: Die Studierenden im Zentrum, die Lehrenden auf der einen Seite, die Peers auf der anderen Seite.

Acquisition // Aneignung

Dies ist vielleicht immer noch der verbreitetste Typ in der formalen Bildung, so Laudrillard. Aneignung findet statt, wenn Studierende einen Text aus einem Buch, einem Artikel oder einer Website lesen, eine Videoaufzeichnung einer Vorlesung oder einer Demonstration schauen, einen Podcast hören oder auf andere Arten Inhalte rezipieren. Sie spielen dabei eine relativ passive Rolle, wenn sie auch aktiv nachvollziehen müssen, was sie lesen, sehen, hören. Es lässt sich nicht vermeiden, denn Studierende müssen nachvollziehen können, was andere bereits herausgefunden haben, was Expert/innen dazu sagen und wie der aktuelle Stand in Wissenschaft und Praxis aussieht. Auf vorhandenem Wissen aufzubauen ist ein fundamentales Standbein formaler Bildung.

Collaboration // Zusammenarbeit

Lernen durch Zusammenarbeit umfasst hauptsächlich die Diskussion, die Praxis und die Produktion. Es geht um den Prozess der Wissenskonstruktion, sie setzt den eigenen Beitrag voraus und wird im Team unter Gleichaltrigen ausgehandelt. Die Produktion geschieht dann durch Diskussion und Austausch mit anderen. So wird auch die eigene Wahrnehmung der Fragestellung geschärft und gegebenenfalls korrigiert. 

Diskussion

Lernen durch Diskussion erfordert die Artikulierung eigener Ideen und kritischer Betrachtung. Sie kann einvernehmlich enden, aber der andragogische Wert darin liegt vor allem in der kritischen Auseinandersetzung mit Konzepten und Ideen, die zu einem vertieften Verständnis führt.

Inquiry/Investigation // Untersuchung

In der Untersuchung lernen die Studierenden, sich dem Gegenstand explorativ durch eigene Recherche und durch eigene Fragestellungen zu nähern. Sie sind angehalten, zu erkunden, zu vergleichen, zu hinterfragen und kritisch zu beleuchten. Die Untersuchung unterscheidet sich darin fundamental von der Aneignung, bei der die Studierenden einem gegebenen Pfad, einer bestehenden Storyline, folgen. Sie begründen ihr eigenes Vorgehen, sie sind aktiver und erfahren die eigene Verantwortung für ihr Lernen, indem sie analytisch und kritisch vorgehen und die Gegenstände vertiefter verstehen lernen.

Practice // Anwendung, Übung

Konkrete Anwendungen ermöglichen das Wissen handlungsorientiert umzusetzen und Kompetenz unter Beweis zu stellen, die über theoretisches Wissen hinausgeht. Feedback der Peers und der Lehrperson sind dabei fundamental wichtig, um das Ziel anzupassen, den eigenen Weg selbstkritisch zu betrachten und das Resultat gegebenenfalls zu verbessern. Dies hilft, Wissen und Fähigkeiten einer Disziplin zu entwickeln, zu verstehen und zu nutzen.

Produktion

In der Produktion festigen und demonstrieren die Studierenden ihre erworbene Kompetenz, indem sie die ihr aktuelles Verständnis artikulieren und präsentieren. Die Präsentation dieses Produkts zeigt das Gelernte, das durch die oben beschriebenen Typen des Lernens ermöglicht wurde. Durch diese Artikulierung wird nachvollziehbar, wie gut gelernt wurde, und durch das Feedback auf die Präsentation wird diese Leistung gewürdigt.

Die Definitionen stammen aus den Kapiteln 6 – 11 in Laudrillard, D. (2012) Teaching as a Design Science: Building Pedagogical Pa4erns for Learning and Technology. New York and London: Routledge.

Warum Frameworks?

Die Learning Types sind nun nicht neu und überraschen als solche nicht. Frameworks, im Deutschen etwa Referenzrahmen oder wörtlich übersetzt Rahmenwerke, sind jedoch in erster Linie Zusammenstellungen und Hilfsrahmen von Konditionen, unter denen sich Lernen gestalten lässt. Sie sind Planungswerkzeuge, die auf bestimmten pädagogischen Prämissen beruhen und die bereits erprobt wurden. Sie unterstützen das Kursdesign, indem sie alle kritischen Punkte aufführen, an die beim Design gedacht werden muss. Oft kann man auch zwei oder sogar mehrere Frameworks kombinieren, da sie teilweise an ganz anderen Standpunkten im Bildungsdesign ansetzen. So lässt sich das Conversational Framework auf der Mikroebene vom pädagogischen Gestaltungsprozess ansiedeln, wo die Studierenden und deren Aktivitäten im Zentrum stehen.

Online-Werkzeug Learning Designer

Zur Entwicklung von Online-Learning Design steht der Learning Designer zur Verfügung, ein visuell strukturiertes Tool zum Learning Design. Der Learning Designer ist frei nutzbar.

Quellen

Video (zirka 8 Minuten) Diana Laudrillard das Conversational Framework: https://mediacentral.ucl.ac.uk/Player/CG6hD928

Literatur
Laudrillard, D. (2002) Rethinking University Teaching. A Conversational Framework for the Effective Use of Learning Technologies (2002) DOI: https://doi.org/10.4324/9780203160329 sowie in
Laudrillard, D. (2012) Teaching as a Design Science: Building Pedagogical Pa4erns for Learning and Technology. New York and London: Routledge.

MOOC
Im Online Kurs Blended and Online Learning Design der UCL University College London auf Future Learn werden anhand des Conversational Frqmeworks Kurssequenzen entwickelt und geteilt.

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