Schreiben im Web: kreativ, kritisch, kollaborativ

Nele Hirsch stellt in ihrem OERcamp-Webtalk «Kreative Schreibprojekte» verschiedene Tools zum Schreiben und zur Schreibförderung vor. Über Tools zu schreiben ist an sich nichts aussergewöhnliches, doch in diesem Fall lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Interessant ist nämlich, dass Nele Hirsch dies entlang der 4K macht, der 4 Kompetenzen für das 21. Jahrhundert Kreativität, Kommunikation, Kollaboration und kritisches Denken.

Prozessorientierte Schreibtools

Tatsächlich sind einige der Tools, de Nele vorstellt sehr reaktiv und lassen neue Herangehensweisen ans Schreiben und an den Text zu. Bei vielen Tools ist nicht am Schluss der Text das Wichtigste, das Resultat, sondern der Prozess des Schreibens, des kreativen sich Auseinandersetzens mit Wörtern, Sätzen und Bedeutung.

Ich möchte die Übersicht der Tools kommentieren und auf wenige davon eingehen. Die Liste der textbasierten Webtools, die Nele im Talk aufgreift, findet sich hier auf kurzelinks.de, erstellt mit dem wunderbar einfachen, ebenfalls erwähnten telegra.ph.

4K 21st century Skills übersetzt

Die 4K werden oft aufgeführt, wenn wir von Didaktik und Bildung sprechen, sie werden schon fast inflationär benutzt. Hilfreich ist hier die Übersetzung von J&K der die Englische Originalversion ins Deutsche überträgt und sie dabei gleich noch reflektiert. Bei der Kreativität, die so oft als das grosse Unterscheidungsmerkmal von alter zu neuer Schule aufgeführt wird bedeutet eben nicht nur gestalterische Kreativität im visuellen Sinn, sondern einfach das Vermögen, Neues zu denken, oder Althergebrachtes und Bewährtes in einem neuen Kontext zu sehen, zu verändern und dadurch etwas Neues hervorzubringen.

Dass das zweite K zur Kommuinkation meint wundert niemanden wirklich. Es ist essentiell wichtig, dass man sich mitteilen, sich austauschen kann. Was in der Übersetzung jedoch hervorgehoben wird, ist die Fähigkeit, eigenes mitzuteilen. Eigene Gedanken, Ideen oder Erkenntnisse mit anderen zu teilen. Dieses Teilen ist eine Dimension, die mit dem Internet enorm an Bedeutung gewonnen hat. Die Nutzung und vor allem die eigene (Mit-)Gestaltung des Internets ist das Herz des Webs. Deshalb ist die Fähigkeit, eigene Beiträge zum Web zu leisten und zu teilen, sie zu kommunizieren, so wichtig.

Angesichts der Komplexität unseres Lebens sind wir auf Zusammenarbeit, auf Unterstützung angewiesen. Der/die Universalgelehrte ist ein Produkt längst vergangener Jahrhunderte. Heute sind die Expert*innen, die Spezialist*innen gefragter. Unsere Probleme werden auch immer komplexer und grösser, heute muss nichts weniger als der unser gesamter Planet gerettet werden. Deshalb müssen wir Probleme in Zusammenarbeit lösen. Um dabei innovativ zu sein braucht es mehr als Arbeitsteilung, es braucht Auseinandersetzung und Ausdauer, um gemeinsam etwas Neues zu schaffen. Hier setzt auch der Unterschied von Kooperation und Kollaboration an, den Nele Hirsch im Webtalk in einem Nebensatz ebenfalls erwähnt. Die Fähigkeit, sich intensiv mit anderen zu einem Gegenstand auseinanderzusetzen ist eine weitere wichtige Kompetenz, die sich auch online umsetzen lässt.

Abschliessend nennt das 4K-Modell das kritische Denken als wichtige Kompetenz, von J&K übersetzt als die Fähigkeit, selber zu denken, ja überhaupt fähig sein, einen eigenen Beitrag zu leisten, selber lernen zu können.

Quelle: Jöran Muuss-Merolz: Die 4K-Skills: Was meint Kreativität, kritisches Denken, Kollaboration, Kommunikation?

Innovative Schreiberfahrungen im Web

Entlang dieser 4 K zeigt Nele Hirsch in ihrem Webtalk, wie sich textbasierte Tools im Web einsetzen lassen, um neue Schreiberfahrungen machen zu können, die so bislang nicht möglich waren. Mit dem writing-tool.com kann man sich zum Beispiel den Text unlesbar machen, sozusagen blind schreiben, damit man sich nicht vom bereits Geschriebenen ablenken lässt und die Erfahrung der Flüchtigkeit von Text zu erleben und herauszufinden, wohin das führt. Flüchtig ist ja sonst gesprochene Sprache, sofern sie nicht aufgezeichnet wird. Geschriebenes ist das berühmte Schwarz-Auf-Weiss, das beständige Wort, das manchmal sogar als Beweis dient. Das Writing-Tool bietet noch mehr Möglichkeiten, sich beim Schreiben Grenzen zu setzen, z. B. in der Anzahl Wörter oder in der Anzahl Minuten, die man schreiben möchte. Es lässt sich hier ein anderer Zugang finden zum Schreiben als Aktivität, womit man den eigenen Schreibprozess schön reflektieren kann.

Sehr schön ist auch das Konzept der BlackoutPoetry, wie Nele Hirsch sie am Beispiel von versteckteverse.glitch.me aufgreift. Mit dem Tool lässt sich z. B. Bedeutung sehr schön visuell darstellen, indem man die Schlüsselwörter sucht und herausgreift, die eine Aussage prägen, um dem Framing eines Textes auf die Spur zu kommen, oder in dem man zum Beispiel im gleichen Text verschiedene Bedeutungsebenen sucht und findet, um die semantischen Felder eines Textes zu diskutieren.

Die Tools lassen sich in der Lehre wie auch privat nutzen, um Schreiben zu üben, sich verschiedenartige Grenzen und Rahmenbedingungen zu setzen, um kreativ, kritisch, analytisch und gestalterisch Texte zu schreiben und letzten Endes auch zu lesen.

#webtools #4K @eBildungslabor

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