Moocs and global experiences

Ich nehme an einem Online-Kurs teil zum Thema «Designing a New Learning Environment».  Die Aufgaben sind komplex, es sind etwa 6000 Student/innen eingeschrieben, nicht alle freilich verfolgen ihr Ziel, den Kurs zu beenden und zu bestehen, weiter. Ich musste so genannte “Peer Reviews” machen, indem ich nach einem bestimmten Raster (Rubric) andere Szenarien von Online-/Computer-Einsatz beim Lernen bestimmter Lernthemen beurteilen musste. Das Raster ist transparent und für alle der selbe.
Heute habe ich eine seltsame Erfahrung gemacht, die mich schockiert. Ich bin nun irgendwie global involviert in eine Diskussion, in einen Prozess, den ich jetzt erst erkenne. Als Westlerin bin ich einfach privilegiert auf alle Ebeenen. Ich habe eben ein Lernszenario gelesen von einem jungen Lehramts-Studenten aus Pakistan, der in seinem Szenario nur den Mangel an allem beschreibt. Sein Wunsch, ein Lernangebot zu machen, ist spürbar. Nur: Er braucht Hilfe, finanziell und professionell. Es fehlt an allem: Die Lernenden müssen mehrere gefährliche Strassen überqueren um zu einem halbwegs brauchbaren Computerraum zu kommen, und sie teilen sich dann zu viert einen einzigen, alten Computer. Die einzigen zwei Computer in seinem eigenen Campus stehen der eine im Büro des Schuldirektors, und der andere im Lehrerzimmer. Keine Möglichkeit, die mit einer 40-köpfigen Klasse zu nutzen.
Über eine halbe Seite beschreibt der Autor, was alles fehlt: Einfach alles.
Nach unserer Beurteilung sollen wir dann ein Feedback geben. Das erste Feld trägt die Überschrift: Things that I liked the most. Wie kann man den Mangel an allem liken? Ein Feedback von einem Kommilitonen lautete: «I like that you provided a lot of details.» Sie oder er gab dann viele Punkte. Nur: Nichts war da, worauf man aufbauen könnte. Ist das nicht zynisch?
Du begegnest einer desperaten Situation und vergibst dann eine hohe Punktzahl: «Well done!», weil die Kriterien formell erfüllt sind? Der Inhalt aber sagt dir: So leben wir, das ist unser Alltag. Wir haben nichts. Und du realisierst, was das bedeutet: Sie haben nichts, worauf sie aufbauen könnten. Einfach nichts. How can I like that? Wie kann ich das überhaupt mit unseren Massstäben beurteilen?

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.