Aufgaben einer Online-Tutorin Teil 2 – Monitoring

logfiles

Monitoring bedeutet so viel wie Kontrolle, Begleitung, Überwachung, auch Mithören. Big Brother lässt grüssen, mag man da im Zeitalter der NSA- und anderer Skandale denken. Und ja: Man beobachtet die Online-Lernenden tatsächlich sehr genau.
Was beinhaltet das Monitoring und warum braucht es das?

Wer schon mit einem LMS gearbeitet hat weiss, dass jeder Klick geloggt wird und man genau sagen kann, wann genau, welcher Teilnehmer zu welcher Tageszeit welche Lernaktivität aufgerufen hat. Manchmal kann man dann auch sehen, was genau die betreffende Person gemacht hat, manchmal aber auch gerade nur, dass sie eine Datei z. B. heruntergeladen hat. Das bedeutet ja noch nicht, dass der Text auch gelesen wurde.

Im Präsenzraum nimmt man die Gruppe mit allen Sinnen wahr. Das ganze Sensorium ist wach und nimmt die Signale auf, die die Studierenden aussenden. Online ist das natürlich viel schwieriger. Da nimmt man sinnlich und unbewusst gar nichts wahr, wenn nicht per Audio und Video kommuniziert wird. Erst wenn sich die Studierenden zu Wort melden und ihre Beiträge schreiben werden sie auch fassbar, und es gibt sogar so etwas wie eine emotionale Wahrnehmung. Solange dies aber nicht geschieht, hat man schlicht keine Ahnung, ob sich die betreffende Person schon je etwas zum Kurs überlegt hat. Da helfen die Logfiles.
Wenn sich jemand z. B. gar nie meldet, dann kann man wenigstens sehen, ob bereits Aktivitäten vorhanden sind. Wenn ja, dann kann ein freunliches und persönliches E-Mail vielleicht klären, warum sich jemand nicht oder nur selten beteiligt. Es ist wichtig, dass man frühzeitig Teilnehmende identifiziert, deren Aktivität nachlässt oder deren Beiträge qualitativ nicht genügen, denn wenn man längere Zeit nicht reagiert kann es plötzlich zu spät sein und der Teilnehmende findet seinen Weg zurück in die Online-Gruppe nicht mehr.

Auf der anderen Seite erlauben einige LMS wie z. B. Moodle, dass die TN selber ihre Forenbeiträge sehen können. Allerdings ist das dann auch wieder alles. So wäre es doch eigentlich ganz gut, wenn die TN ihre eigenen Logfiles auch sehen könnten. Ich frage mich, was da dagegenspräche. Erschreckten die TN ob so vieler erfasster Details? Warum sind diese Dinge nicht transparent? Aus Datenschutzgründen macht es Sinn, dass ich die Daten meiner Kommuliton/innen nicht sehe. Aber die eigenen?
Und wenn wir schon beim Datenschutz sind: Was genau rechtfertigt die Einsicht der Tutorierenden und der Fachdozierenden in die Logfiles? Hier ist es wohl wichtig, dass die Rollen klar sind und dass alle einverstanden sind damit, dass Lehrende zu Lehrzwecken Einsicht haben. Allenfalls könnte man auch mal thematisieren, welche Daten überhaupt sichtbar sind für  Dozierende oder Tutorierende. Auch haben die Teilnehmden das Recht darauf, zu erfahren, wozu die Daten verwendet werden und wozu nicht. War das schon mal Thema in einem Online-Kurs, der nicht das Online-Lernen selbst zum Thema hat?

 

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