Der affektive Kern der Emotion

Ich beschäftige mich im Moment mit Emotion und Motivation beim Lernen. Was ist Emotion? Wie kann ich positives affektives Erleben in Lernarrangements einbauen?
Thomas Götz hat ein kleines Buch herausgegeben mit Artikeln zum Thema Emotion und Motivation. Anne Frenzel und Elizabeth Stephens bestimmen darin Begriffe und beschreiben Ursachen und Wirkungen von Emotionen. Emotion, das affektive Erleben also, besteht im Kern nach Frenzel/Stephens aus vier Komponenten: aus der expressiven, der kognitiven, der motivationalen und aus der physiologischen Komponente.

Die physiologische Komponente einer Emotion meint, dass das emotionale Erleben einen physischen Ausdruck erhält. Angst, Erregung, Anspannung wirkt sich z. B. körperlich auf die Herzrate aus, auf die Atmung, die Magen-Darm-Tätigkeit, auf die Hautleitfähigkeit und den Muskeltonus. Wir alle kennen das: Vor lauter Nervosität können wir in der Prüfung keinen klaren Gedanken mehr fassen.
Heute weiss man, dass Emotionen ihre zentralen Muster im Gehirn haben (Amygdala und Kortex). Zusammen mit der kortikalen Erregung durch die Emotion drängen sich manchmal im Zustand der Erregung bestimmte Gedanken auf. Dieses Phänoment bezeichnen Frenzel/Stephens als kognitive Komponente des affektiven Erlebens, wie z. B. Gedanken ans Versagen, oder im Falle einer positiven Emotion wie Stolz auch Gedanken an positive Konsequenzen einer Leistung.
Mit dem Begriff der expressiven Komponenten der Emotion meinen die Autorinnen den spontanen Gesichtsausdruck oder die körperliche Haltung, den jemand während des emotionalen Erlebens einnimmt. Dadurch werden Emotionen für die Interaktionspartner erkennbar. Kommt jemand in eine Gruppe, in der einige Mitglieder mit hängenden Schultern und herabweisenden Mundwinkeln sitzen und andere die Stirn runzeln, merkt man sofort, dass etwas nicht stimmt. Emotionen sind also durch ihre Expression erkennbar.
Schliesslich lösen Emotionen Handlungen aus. Dies ist die motivationale Komponente von Emotionen. Die Autorinnen gehen davon aus, dass der evolutionspsychologische Sinn von Emotionen genau hierin liegt. Angst kann sofortige Flucht oder Vermeidungsverhalten auslösen. Emotionen dienen also dem Überleben. Auf der anderen Seite wirken positive Emotionen beflügelnd und lösen Kreativitätsschübe aus. Es gilt also, positive Emotionen in Lern-Arrangements zu erzeugen.

Frenzel, Anne C., und Stephens, Elizabeth J., Emotionen, in: Götz, Thomas (hg.) Emotion, Motivation und selbstreguliertes Lernen. Paderborn 2011 (Schöningh), S. 20-22.

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